Burkina Faso

Burkina Faso, eines der ärmsten Länder der Welt, ist seit über 20 Jahren ein politisch verhältnismässig stabiler afrikanischer Staat. Doch die Landwirtschaft dient vorwiegend der Selbstversorgung. Das Verkehrsnetz ist nicht ausgebaut. Es fehlt an verarbeitenden Betrieben. Und subventionierte Güter aus westlichen Industrienationen machen den einheimischen Produkten Konkurrenz. Solange sich das nicht ändert, hat das westafrikanische Land keine Chance, sich aus der Schuldenfalle zu befreien.

Der westafrikanische Binnenstaat Burkina Faso erlangte – noch unter dem Namen Obervolta - 1960 die Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Frankreich. Es folgten konfliktreiche Jahre mit wechselnden Militär- und Zivilregierungen. Seit den 90er Jahren ist allmählich eine Stabilisierung eingetreten. Auch die Unruhen von 2011 haben die seit 1987 amtierende semiautoritäre Regierung nicht zu Fall gebracht.

Im hochverschuldeten Burkina Faso lebt fast die Hälfte der rund 17.3 Mio. Einwohner unter der Armutsgrenze. Die Geburtenrate ist mit 6,1 Prozent sehr hoch, während die Lebenserwartung bei nur 52 Jahren liegt. Ein Grossteil der Bevölkerung sind junge Menschen, für die auf dem Land nicht genügend Erwerbsmöglichkeiten existieren. Viele von ihnen wandern in die Hauptstadt Ouagadougou, in andere Städte des Landes oder nach Europa aus, wo sie wegen mangelhafter Schulbildung kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben.

Regelmässig wiederkehrende Dürreperioden beeinträchtigen die Entwicklung des Landes. Sie treffen die Bauernfamilien in der Sahelzone im Norden besonders hart. Der Klimawandel, der sich in abnehmenden Niederschlägen und höheren Temperaturen bemerkbar macht, vermindert die Ernteerträge. Helvetas unterstützt die ländliche Bevölkerung im abgelegenen Osten beim Bau von Fahrpisten und ermöglicht ihr dadurch den Zugang zu Märkten, Schulen und Gesundheitseinrichtungen. Berufsbildungszentren, die Helvetas zusammen mit den Gemeinden aufgebaut hat, vermitteln Kindern und Jugendlichen, die keine Schule besuchen konnten, das nötige Rüstzeug, um eine Existenz aufzubauen.

  • 90 Prozent der Bevölkerung bauen Früchte, Gemüse und Getreide an - hauptsächlich für den Eigenbedarf ihrer Familien. Die Menschen ernähren sich vor allem von Hirse, Mais, Sorghum, Fonio und Reis. Dafür werden 85 Prozent der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche eingesetzt. Im wasserreicheren Süden des Landes können Jamswurzel, eine Knolle, die an Marroni und Kartoffeln erinnert, Maniok und Zuckerrohr geerntet werden.
    Die Regierung plant, in Zukunft auch Weizen exportieren zu können. Mit einem staatlichen Projekt zum Anbau von Weizen soll Burkina Faso von Weizenimporten unabhängig werden. Erstmals geerntet wurde 2006.

    Wichtigstes Exportprodukt Burkina Fasos ist jedoch die Baumwolle. Sie wird vorwiegend konventionell angebaut und macht 50 Prozent der Ausfuhren aus. Wegen der hohen Agrarsubventionen in westlichen Industrienationen hat das Land jedoch Probleme, seine Ernteerträge auf dem Weltmarkt zu verkaufen.

    Da im konventionellen Baumwollanbau gesundheitsschädigende Pestizide eingesetzt, das Grundwasser verschmutzt und die Böden ausgelaugt werden, fördert Helvetas den Anbau, die lokale Verarbeitung und den fairen Handel von Bio-Baumwolle. Bio-Baumwolle wird mit Sesam und Erdnüssen im Fruchtwechselsystem angebaut, Das erhält die Fruchtbarkeit der Böden. Am Rand der Felder wachsen Karité-Bäume, aus deren Nüssen sich Karité-Butter für Seifen und Kosmetika herstellen lässt. All diese Fruchtwechselprodukte sind ebenfalls von Bio-Qualität und bringen den Familien ein zusätzliches Einkommen.
  • In Burkina Faso leben drei Viertel der Menschen von der Landwirtschaft. Viele sind zugleich Selbstversorger und Produzenten für den lokalen oder regionalen Markt. Dort werden auch immer mehr importierte Nahrungsmittel aus Industrieländern angeboten. Diese sind oft subventioniert und daher billiger als die einheimischen Produkte – obwohl letztere eigentlich günstiger erzeugt werden.

    Beim Grundnahrungsmittel Hirse kommt vom Weltmarkt wenig Konkurrenz, aber hier machen den Bauern die veränderten Essgewohnheiten zu schaffen. Vor allem die Städter wenden sich zunehmend von der “altmodischen“ Hirse ab und konsumieren das “moderne“ Brot.

    Tomaten sind auch in der Küche der Burkinabé wichtig. Doch die Frischtomaten erhalten Konkurrenz durch das praktische und gut haltbare Tomatenpurée aus Europa. Weil die europäischen Staaten ihre Landwirtschaft hoch subventionieren, ist das Tomatenpurée unrealistisch billig. Die Regierung hätte zwar die Möglichkeit, importierte Nahrungsmittel mit Zöllen zu belegen. Aber die Handelspolitik ist geprägt von der Liberalisierungswelle der 90er-Jahre und die Länder Afrikas stehen unter dem Druck der Industrieländer, ihre Märkte zu öffnen. Ausserdem will die Regierung die städtische Bevölkerung mit tiefen Nahrungsmittelpreisen besänftigen. Für die einheimischen Bauernfamilien ist das verheerend.

    Erdnüsse sind für westafrikanische Länder ein wichtiges Exportgut. Sie kommen in Europa als Speiseöl oder in Form von Salznüsschen auf den Tisch. Falls die Exporterlöse nicht in den Taschen der Herrschenden landen, ermöglichen sie wirtschaftliche Entwicklung. Doch weil die Preise für die Ernten schwanken, die Preise für die Maschinen aus dem Ausland aber hoch blieben, müssen sich Entwicklungsländer verschulden, um Investitionen zu tätigen.

    In der Hochsaison sind die einheimischen Märkte von Mangos überschwemmt. Die Preise zerfallen, und die Früchte verfaulen. Eine Nahrungsmittelindustrie könnte die sie zu Saft oder Konserven verarbeiten und später auf den internationalen Markt bringen. Doch eine solche Industrie, die auch Arbeitsplätze böte, gibt es heute noch nicht.

PDF-Download: Mali: Mit Bio aus der Schuldenfalle