Industrielle Landwirtschaft

Landwirtschaftliche Grossbetriebe produzieren die Hälfte der globalen Getreidemenge, beschäftigen aber nur ein Prozent der landwirtschaftlichen Bevölkerung. Die grössten Betriebe befinden sich in Nord- und Südamerika sowie in Europa. Sie betreiben eine industrielle Landwirtschaft, die enorme Mengen an Energie, Chemie und Wasser verschlingt. Monokulturen (der Anbau nur einer Pflanzensorte) auf riesigen Flächen ermöglichen eine effiziente maschinelle Bewirtschaftung. Um hohe Erträge zu erzielen, werden auf Hochleistung gezüchtete Pflanzen und Kunstdünger eingesetzt. Monokulturen sind besonders anfällig für Schädlingsbefall, der Einsatz von Insektenvernichtungsmittel ist daher hoch. Unkraut und Pilzkrankheiten werden ebenfalls chemisch bekämpft. Und wegen der Resistenzen braucht es immer höhere Dosen, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Die Anwendung dieser Pestizide schädigt die Umwelt: Rückstände gelangen über den Boden ins Grundwasser und belasten die Ökosysteme. Selbst Auswirkungen auf den Menschen sind nachgewiesen. In Gebieten Argentiniens zum Beispiel, wo Felder per Flugzeug besprüht werden und sich die Giftstoffe weit ausbreiten, wurden deutlich erhöhte Krebsraten festgestellt.

Giftige Spritzmittel für Gentech-Pflanzen

Mit der Gentechnologie ist der Absatz von chemischen Spritzmitteln weiter gestiegen. Insbesondere in Nord- und Südamerika werden heute für die Getreide- und Sojaproduktion mehrheitlich Gentech-Pflanzen verwendet – der Anteil liegt zum Beispiel bei Soja weltweit bei 60, in den USA bei über 80 Prozent. Diese Pflanzen sind resistent gegen Unkrautvertilgungsmittel (Herbizide) und können ohne Schaden zu nehmen damit bespritzt, während alle Unkräuter auf dem Acker abgetötet werden. Doch weil viele Unkräuter und Insekten in den letzten 20 Jahren immun geworden sind gegen bestimmte Mittel, müssen immer neue und mehr Pestizide eingesetzt werden. Das grosse Geschäft in der Landwirtschaft machen Agrarkonzerne, die den Bauernbetrieben Gesamtpakete anbieten aus Dünger, Pestizid und dagegen resistentem gentechnisch verändertem Saatgut.

Den Welthunger nachhaltig besiegen

Die Hoffnung, die industrielle Landwirtschaft könne den Welthunger besiegen, ist einer grossen Skepsis gewichen. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UNO (FAO) etwa warnt vor den ökologischen, aber auch sozialen Folgen. Sie sieht stattdessen die kleinbäuerliche und nachhaltige Landwirtschaft als Schlüssel zur Ernährungssicherung. Denn wo Kleinbauern genügend Land, Wasser, Saatgut, Arbeitsgeräte und Know-how zur Verfügung haben, produzieren sie einen deutlich höheren Nährwert pro Hektar als die industrielle Landwirtschaft.