Das Meer als Selbst-
bedienungsladen

Die Meere werden wie Niemandsland behandelt, das verschmutzt und ausgebeutet werden kann. Abfälle, Überdüngung, der unkontrollierte Abbau von Bodenschätzen und Tankerunglücke beeinträchtigen das Ökosystem Meer. Und das Meer wird immer leerer. Fast überall werden mehr Fische gefangen, als durch natürliche Vermehrung nachwachsen.

Schwimmende Fabriken auf Grossfang

Fisch ist zu billig, weil er „gratis“ gefangen werden kann. Früher setzte die Technik dem Hochseefischfang Grenzen, man blieb in Küstennähe. Mittlerweile werden Satelliten eingesetzt, um Fischschwärme aufzuspüren. Und die Schiffe der Fischereinationen sind zu schwimmenden Fabriken ausgebaut worden, die den Fisch tonnenweise fangen und verarbeiten. „Unbrauchbare“ Fische werden als sogenannter Beifang tot ins Meer zurückgeworfen. In den Netzen verheddern sich auch Delfine und Schildkröten, die darin kläglich verenden.

Die Hochseeschiffe drängen immer häufiger auch in küstennahe Gewässer, wo die Holzboote der afrikanischen und asiatischen Kleinfischer nicht mit ihnen konkurrieren können. Für Letztere bleiben vielerorts nicht mehr genug Fische übrig, um davon leben zu können.
Mit der modernen Hochseefischerei stieg die Entnahme enorm: 1950 wurden 20 Megatonnen (20 Milliarden Kilo) Fisch gefangen, im Jahr 2000 waren es 100 Megatonnen. Der Ertrag der industriellen Fischerei wird übrigens nur zum kleinen Teil direkt von Menschen konsumiert. Fischöl und Fischmehl werden zu Tierfutter verarbeitet und in der industriellen Hühner- und Schweinezucht eingesetzt.

Fischbestände sind massiv bedroht

Ein Viertel der Meerfische ist heute gefährdet, die Hälfte der Bestände ist so dezimiert, dass sich die Populationen nur schwer erholen. Dazu zählen Hai-Arten, Kabeljau, Heilbutt, Blauflossen-Thunfisch und Granatbarsch. Zum Schutz und zur Erholung der Bestände werden zwar internationale Fischereiabkommen ausgehandelt. Die festgelegten Fangquoten überschreiten aber regelmässig die Empfehlungen des Internationalen Rats für Meeresforschung. Ohne eine Ausweitung der Meeresschutzgebiete und Fischerei-Schutzzonen werden sich die Fischbestände nicht mehr erholen können.

In der Schweiz werden jährlich 17 kg Fisch pro Kopf verzehrt. Davon werden 95 Prozent importiert. Nur 5 Prozent stammen aus einheimischen Gewässern. Organisationen wie Fair Fish empfehlen, Schweizer Fisch zu bevorzugen und bei Meeresfischen auf das MSC-Label zu achten.